
Proche de la vie
Loin du quotidien

Kunsthotel
Als Organisator von Festivals und Konzerten seit mehr als 20 Jahren in der französischen Schweiz kann ich mir das Leben in der Villa Pineta nicht anders vorstellen als im Rhythmus einiger Konzerte, Lesungen oder Projektionen. Denn dort oben, auf diesem Hügel, vor der theatralischen Kulisse des Dorfes Fusio und umgeben von diesem wunderschönen Park, werden Musik, Worte oder Bilder sicherlich ungeahnte Bedeutungen annehmen. Wir freuen uns schon darauf, einen Film zu zeigen, Konzerte zu geben oder eine Wanderausstellung vorzuschlagen.
Jedes Jahr, während der Sommersaison, stellt eine von uns ausgewählte Malerin/Maler, Videokünstler/in, Fotograf/, Schriftsteller/in oder Musiker/in ihre/ seine Werke, und verwandelt so den Ort in ein kleines ephemeres Museum. Ein magisches Erlebnis!
Künstler 2026
Gilbert Herminjard Wiederspiegelnde Freundchaften
« Es gibt keinen besseren Spiegel als einen wahren Freund » Japanisches Sprichwort
Vernissage am 7. Juni 2026 um 17 Uhr Dauerausstellung vom 13.5.2026 bis zum 17.10.2026
« Mit Vergnügen, Christophe! Gerne stelle ich eine Auswahl meiner Aquarelle aus, vorausgesetzt, dass ich auch Werke zeigen kann, die ich im Laufe meines Lebens gesammelt habe. » So wurde mein Vorschlag von meinem Freund Gilbert Herminjard angenommen. Die leitende Idee: die Schönheiten der Villa Pineta durch einen fruchtbaren Dialog zwischen Architektur und Malerei zu enthüllen.
Einige Wochen später machte sein Hirnschlag dieser so schönen Aussicht auf tragische Weise ein Ende. Nach seinem Tod im Oktober 2022 erfuhr ich, dass er mir zutraute, mich um sein Vermächtnis zu kümmern. Und seitdem begleitet mich diese Aufgabe – so schön und so anspruchsvoll – wie eine Melodie, die man summt, wenn das Leben besonders schön erscheint.
Gilbert Herminjard hat sich auch als bemerkenswerter Sammler sein Leben lang erwiesen. Seine Privatsammlung zeugt von einem sehr sicheren Geschmack, erzählt von treuen Freundschaften und spiegelt auf wunderbare Weise ein halbes Jahrhundert künstlerischer Tätigkeit in der Westschweiz wider. Eine solche Sammlung zu besitzen, ist ein enormes Privileg. Sie mit Ihnen teilen zu können, liebe Gäste, ist aber noch viel bedeutender!
Entdecken Sie diesen von Gilbert Herminjard so sehr gewünschten Dialog in unserer neuen Ausstellung «Gilbert Herminjard (1930 – 2022): Wiederspiegelnde Freundschaften».
Christophe Schenk
Künstler 2024-2025
Gilbert Herminjard das Werk eines Lebens
Die Idee, dem Waadtländer Maler und Aquarellisten Gilbert Herminjard (1930-2022) eine Hommage zu widmen, entstand bereits vor der Wiedereröffnung der Villa Pineta im Juli 2021. Als sehr guter Freund war er mir eine enorme Stütze gewesen, als mich Zweifel überfielen und sich die Probleme häuften! Wie sollte ich das nur schaffen? Seine unglaubliche Freude bei der bloßen Erwähnung des Projekts trug mich damals durch alle Wechselfälle.
Heute ist es seine von allen Grenzen und Zwängen befreite Kunst, die jeden der hinsehen will in Erstaunen versetzt. Denn es ist das Schicksal derer, die ihren Stil im Schatten der Moden entwickelt haben, dass sie ihrerseits modern werden, ohne es gewollt zu haben.
Vernissage am 25. Mai 2024 um 17 Uhr Dauerausstellung vom 17.5.2024 bis zum 20.10.2024
Allein die Tatsache, dass Gilbert Herminjard über 40 Jahre brauchte, bevor er den Schritt zu einer ersten Ausstellung wagte (1991), sagt viel über ihn aus, über sein inneres Wesen, seine Ansprüche und über diesen für ihn so wesentlichen Weg. Denn als Gilbert Herminjard beschließt, seine Kunst mit anderen zu teilen – er würde es nicht besonders mögen, wenn ich diesen Begriff verwenden würde -, ist er bereit, seine Kunst ist da, einzigartig und selbstbewusst, innerlich gereift, in der Geste so sparsam und doch so stimmungsvoll.
Einen Lebensweg nachzuzeichnen, eine Retrospektive im ursprünglichen Sinne des Wortes zu erstellen, erweist sich – allein durch die Tatsache, dass er alles, was vorher war, weggeworfen hat – als eine unmögliche Aufgabe. Und das ist auch Teil seines Vorgehens, Teil des Charakters. Wie viele Versuche wurden zerstört, kaum auf dem Papier fixiert – drei Viertel der Produktion, wie ein Journalist sagte -, um nur das zu behalten, was „meinem Innern“ entsprach. Wir werden also nichts über einen ganzen Teil seines Werks (1950-1990) erfahren, da alles, was nicht der Sprache entsprach, nach der er mit seinem ganzen Wesen strebte, im Laufe der Jahre zerstört wurde. Einige Zeugnisse schmücken vielleicht noch Wände bei Freunden oder im Familienkreis. Wie verlockend wäre es heute, einen Blick darauf werfen zu können, um den Werdegang zu erahnen. Aber um treu zu sein und in Respekt vor dem, was der Künstler sein ganzes Leben lang signalisierte, haben wir uns entschieden, diese Werke nicht zu reproduzieren.
Als ich seinen Nachlass erbte – darunter Hunderte von Aquarellen, die nie ausgestellt wurden! – stellte sich die Frage erneut; zwar etwas anders, aber immerhin: Kann man nicht signierte Werke ausstellen? Welche Bedeutung soll man den verschiedenen Phasen seines Schaffens beimessen? Diese miteinander vermischen? Im Hinterkopf behalten, dass Gilbert Herminjard, wenn er ausstellte, nur die Werke des Augenblicks zeigte, nicht auf das zurückkam, was zuvor gemacht worden war?
Zwischen 1991 und den letzten Zeugnissen von 2013 wird sich seine Sprache trotz der tiefen Einheit seines Stils immer weiterentwickeln. Manchmal bewegt sie sich am Rande der Stille, manchmal wird sie wieder figurativer, um die Materie und die Textur des Lebens besser zu erfassen. (Und) schließlich sind es die Farbtöne und die Verwendung der Aquarellfarbe selbst, die den Maler an die Tür zu dieser letzten Art und Weise führen, die das Ergebnis einer ununterbrochenen Suche darstellt. Man ist sprachlos angesichts dieses Kondensats aus Anmut, Kraft und Gelassenheit.
Gilbert Herminjard hörte mit dem Malen auf, weil seine Hand ihm nicht mehr erlaubte, das zu sagen und zu tun, was er wollte. Ich denke – im Nachhinein -, dass er auch aufhörte, weil er das lang ersehnte und gesuchte erreicht hatte.
Unsere Retrospektive in der Villa Pineta zeigt unter anderem zum ersten Mal die letzten, nie ausgestellten Werke, die zwischen 2010 und 2013 entstanden sind.
Christophe Schenk
















